Nachtmusik:

...eine neue, in allen Aspekten gelungene Produktion...

Dies ist ein Vergnügen ganz besonderer Art! Wie oft werden Gitarristen aufgefordert, sich doch der original erhaltenen Kammermusik anzunehmen – und wie wenige kommen dieser Empfehlung nach! Als Grund wird meist angeführt, die kammermusikalischen Partner   hätten wenig Lust, sich auf diese Musik einzulassen etc. Stimmt nicht! Nicht nur dieses Ensemble ist ein Beweis dafür. Ich denke eher, dass gerade solch ausgefallenen Besetzungen Chancen haben, aufgeführt zu werden... und dass es sich nicht um zweitklassige Musik handelt, lässt sich rasch demonstrieren.
Und doch gehören diese musikalischen Werke nicht ins „große Repertoire“, was man alleine daran sieht, dass sich immer wieder wissenschaftliche Debatten um sie ranken. Wer zum Beispiel ist Joseph Kreutzer (1778-1832)...diese Frage stellt Andrea Förderreuther im booklet. Die modernen Musiklexika verzeichnen einen Jean Nicolas Auguste Kreutzer, der im gleichen Jahr geboren und gestorben ist wie unser Joseph... die gleiche Person mit einem eingedeutschten Namen? François-Joseph Fétis weiß auch nichts von einem Joseph (Biographie Universelle des Musiciens et Bibliographie de la Musique, Paris, 2.Auflage 1875), wohl aber Carl Friedrich Whistling (Handbuch der musikalischen Literatur, Leipzig 1828). Er verzeichnet drei Trios eines J.Kreutzer, auf die auch Zuth Bezug nimmt, ohne die geringsten biographischen Details angeben zu können. Na ja!

Das Quartett von Schubert war, ich brauche es nicht zu erwähnen, heftig umstritten, und zwar nicht in der „Gitarren-Musikwissenschaft“. Sie erinnern sich? Wenzeslaus Matiegka spielte da eine Rolle... aber hören Sie sich das Werk einfach (noch einmal) an, und lesen Sie seine Geschichte! Hier gibt es eine neue, in allen Aspekten gelungene Produktion – von der Gestaltung des booklet, über die begleitenden Texte und die makellose Aufnahmetechnik (Bauer/Ludwigsburg) bis zur Interpretation. Sie freilich bleibt in Erinnerung. Die drei Musikerinnen führen eine gepflegte Unterhaltung, gelegentlich auch mit einem Gast, und als Außenstehender ahnt man, worum es gehen mag. Man ahnt es – mehr nicht! Aber man merkt das Einvernehmen und die Übereinstimmung. Ach wie schön ist Kammermusik!  
Gitarre und Laute, 2/2000, Peter Päffgen

Nachtmusik – TrioConBrio

Die Besetzung Flöte, Bratsche und Gitarre ist in der Wiener Klassik eine häufig in Erscheinung tretende Besetzung. Durch die drei verschiedenen Arten der Tonerzeugung – blasen, streichen und zupfen – entsteht ein quasi kammerorchestrales Klangbild von ganz eigenem Reiz. In der Hausmusik war die Besetzung häufig anzutreffen; beliebte Neuerscheinungen der Oper konnten so nachmusiziert werden.
Die vorliegende CD wurde im Seeschloß Monrepos bei Stuttgart, in dessen Festsaal, aufgenommen. Dazu ein Text aus dem booklet: „Dieses stimulierende Ambiente hatten wir für unsere Aufnahme erwählt, in der Hoffnung, die ‚Lust’ von dem Schloß möge auch uns bei der langwierigen Arbeit vor den Mikrofonen beflügeln, die ausgezeichnete Raumakustik uns tragen wie auf gemalten Wölkchen, und ein paar der dort ziellos herumschwirrenden Musen uns aus lauter Langeweile ein wenig Gesellschaft leisten. Die Serenaden, die einst hier erklangen, scheinen noch immer durch die Räume zu schwingen..“. Und es ist ihnen sehr gut gelungen. Diese CD hebt sich erfreulich hervor, ob es an der tatsächlich ausgezeichneten Raumakustik liegt, an der frischen Art des Musizierens oder der reizvollen Besetzung, ist schwer zu entscheiden, Tatsache ist, dass man mit Freude zuhören mag. Ein echtes Hörerlebnis!
Die teils köstlich ironischen Texte des informativen booklets stammen von der Gitarristin des Trios, Andrea Förderreuther.
Flöte aktuell 1/2000, Sibylle Wähnert

Frech und spritzig

Joseph Kreutzer, Francesco Molino und Franz Schubert sind die Komponisten der Werke, die das TrioConBrio auf ihrer letzten CD interpretiert, wobei ziemlich üppig mit dem Hall bei der Aufnahme umgegangen wurde. Aus dem Trio wird so ein kleines Orchester mit leider zu bemängelndem Klang. Nun, „Nachtmusik“ hat zum Glück nur diesen einen Kritikpunkt, wenngleich einen hörbaren, denn wenn der Klang verrutscht, ist auch der Genuß getrübt.
Die Truppe Damen um die Gitarristin Andrea Förderreuther, als da zu nennen sind Elisabeth Deinhard, Querflöte, Carolin Kriegbaum, Bratsche, und dem Gast (ein Mann im Haus!) Stefan Kraut, Cello, haben im Gegensatz zu ihrer ersten Platte – man erinnere sich an „Impressions“ – jetzt ein Programm von wahren ‚Klassischen Romantikern’ zusammengestellt und treten damit ein wenig auf die Weichteile des Hörers. Im positiven Sinne, versteht sich! Das Spiel dieses Trios ist edel und kommunikativ, ja innig, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuhören. Natürlich wollen wir die Gitarre hören, aber dann wird klar, dass sie nur ein Drittel des Ganzen ist und genauso wichtig wie der Rest der Welt. Kammermusik in dieser Form(ation) macht Spaß und geht dann auch viel mehr an die musikalische Seele des Hörers als die akrobatischsten Soloausflüge selbstherrlicher Instrumentalisten. Die Gitarre weiß ja ein Lied davon zu singen...
Das gemischte Ensemble spielt bedingungslos engagiert, mit Freude an der Sache, aber auch mit dem ihr gebührenden Ernst. Denn wie wollte man sonst Schuberts kleine Gemmen vortragen, wenn nicht mit dem hohen künstlerischen und musikalischen Anspruch, den die Komposition erwartet.
Das TrioConBrio hat mit dieser dritten CD-Veröffentlichung bewiesen, dass die ersten beiden Platten keineswegs Aufmerksamkeit erregende Eintagsfliegen waren. Die Frische, die die drei Damen (Verzeihung an den Herrn!) an den Tag legen, steckt den Hörer an und lasst ihn – äußerst ungewöhnlich wohl bei klassischer Musik – zuweilen mit dem Fuß wippen. Bevor wir auf den nächsten Streich der drei hochkarätigen Musikerinnen warten, vertreiben wir uns doch die Zeit mit dieser: eine Stunde „Nachtmusik“ mit Feuer und Charme.
Gitarre Aktuell  IV/2000

 „Nachtmusik“

Zu den schönsten Kammermusikbesetzungen mit Gitarre gehört das Trio mit Flöte und Bratsche, für das im 19. Jahrhundert durchaus häufig komponiert wurde. Ein etwas mysteriöser Joseph Kreutzer etwas schrieb vier solcher Trios (op.9); warum die drei temperamentvollen Damen für ihre unterhaltsame CD das dreisätzige „Grand Trio“ op. 16 (eigentlich für Flöte, Klarinette und Gitarre) ausgewählt haben, bleibt unklar. In jedem Fall ist es nicht ganz leicht, den Bratschenpart zu besetzen, geht dieser doch (ganz anders als bei Telemann...) zwangsläufig auch in ungeahnte Höhen. Bei dem Con-Brio-Trio („mit Feuer“) ist das nun überhaupt kein Problem; es brilliert in allen Lagen und Tempi. Selbst die gelegentlich gefühlslastigen langsamen Sätze geraten augenzwinkernd unterhaltsam.
Der Gitarrist (und Geiger) Francesco Molino schrieb immerhin zwei solcher Trios, von denen wir hier das Opus 45 hören, wie Kreutzer in der klassischen Sonatenform und zugleich äußerst unterhaltsam, wiederum wunderbar dargeboten. 1931 kam ein Schock für viele Gitarristen: Ihr geliebter „Schubert“, das erst 1918 ausgegrabene Quartett für Flöte, Bratsche, Gitarre und Cello, wurde als „halbecht“ entlarvt. Es ist nämlich ein von Schubert mit Cello „angereichertes“ und ansonsten geringfügig verändertes Trio seines Zeitgenossen Wenzeslaus Matiegka, der mindestens drei solcher Werke geschrieben hat. Das Trio an sich ist schon pfiffig genug, doch der virtuose, ja: stellenweise regelrecht üble Cellopart setzt ihm sozusagen die Krone auf, wofür hier ein Gast äußerst überzeugend auftritt. Wunderbar gespielt.
Akustik Gitarre, 1/2001, Wieland Ulrichs

 

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